'Interkulturelle'* Öffnung als Prozess der Schulentwicklung - Teil 1
© Christiane Lenhard 2013 im Rahmen der Fortbildung zur Multiplikatorin ikö-bremen
- überarbeitet 2018 - *Der Begriff 'Interkulturell' hatte im Kontext Schule 2013 noch eine eher unkritische Konnotation. Mittlerweile geht es um antirassistische Perspektiven, die auf Diskriminierungssensibilität abzielen.
1. Reflexion des schulischen Leitbilds unter Aspekten der aktuellen Debatte zur interkulturellen Öffnung in Schule
GEMEINSAM LEBEN (UND) LERNEN
MIT HERZ, HAND UND VERSTAND[1]
Im Jahr 2010 hat sich die Schulgemeinschaft einer Grundschule in Bremen, deren Schulleitung ich ein Jahr zuvor übernommen habe, ein neues Leitbild gegeben. Es drückt – auch für Kinder verständlich – aus, wie sich das Kollegium der Schule gemeinsam mit Kindern und Eltern die Schule wünscht:
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'Interkulturelle' diskriminierungsbewusste Öffnung als Prozess der Schulentwicklung - Teil 2
© Christiane Lenhard 2018
Nur vier Jahre sind vergangen, seit der erste Text entstanden ist - und doch stellt sich die Situation vor Ort noch einmal völlig verändert dar:
Zum einen steht die Theoriediskussion dem Begriff Interkulturalität kritischer gegenüber und erweitert ihn um rassismuskritische Perspektiven, die Differenzlinien innerhalb der Schulgemeinschaft kritisch aufnehmen. In dieser Diskussion sind wir als Schullandschaft leider nur sehr zögernd unterwegs - allerdings gibt es zumindest einige erste Ansätze...
Zum anderen sind die demografischen Veränderungen auch in Mahndorf deutlich fortgeschritten - verstärkt durch den einsetzenden Generationswechsel in Eigentumssiedlungen und ein neues Wohnbaukonzept, aber auch durch die seit 2014 erlebte Zuwanderung.
Bremen hat seit 2014 über 7000 Schüler*innen aufgenommen, davon 2539 in den Grundschulen. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle Grundschulen Bremens von Zuwanderung (ca. 3000 Kinder) so stark betroffen, dass die eigentlich vorgesehenen Klassenstärken manchmal sogar überschritten werden mussten, um alle Kinder mit einem Schulplatz zu versorgen. Mittlerweile sind 7,9 % der Grundschulkinder zugewanderte Kinder, 5,4% Kinder haben Fluchterfahrungen.
Rassismuskritische Anti Bias Trainings
© Christiane Lenhard 2018
Dieser Text ist aus meiner weißen Perspektive als Frau, nicht von Rassismus betroffen, geschrieben.
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein.
Sie muss zur Anerkennung führen.
Dulden heißt beleidigen.
J.W. Goethe
In unserer Gesellschaft 'ist die herrschende Klasse immer noch weiß' (Jens Schneider in taz, 07.03.2016 ) - obwohl wir schon lange in einer Post-Migrationsgesellschaft leben, in der laut Paul Mecheril (Handbuch Migrationspädagogik, Beltz/Weinheim 2016) der Prozentsatz der 3-jährigen mit Migrationshintergrund in Großstädten wie Frankfurt bei 70% liegt, und in der die Zuschreibung 'Mensch mit Migrationshintergrund' eine immer absurdere Form des 'Othering' wird. Gerade angesichts der aktuellen Debatten um Zuwanderung und Zugehörigkeit wirkt diese Zuordnung absurd - und ist verletzend und rassistisch.
Rassismuserfahrungen sind nicht wegzudenken im Kontext weißer Machtkontinuitäten. Und JA: Wir sind ALLE rassistisch sozialisiert und haben rassistische Wissensbestände mitbekommen.
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