Elternpartizipation in der Grundschule der Migrationsgesellschaft

© Christiane Lenhard 2017

Elternpartizipation in der Schule – besonders ein Thema für die Grundschule…!?

Ja, denn gerade in der Grundschule sind die Eltern ALLER Kinder präsent, und es bietet sich für alle Beteiligten ein Fundus an gemeinsamer Kommunikation.

Wo, wenn nicht in der Grundschule, sind sie oft noch täglich vor Ort, bringen oder holen die Kinder ab, kommen häufig zu Elterninfoterminen, nutzen die angebotenen Eltern-Kind-Gespräche und darüber hinaus viele zusätzliche Beratungstermine, unterstützen Schulfeste und viele andere schulinterne Projekte…

In der Grundschule begleiten die Eltern ihre Kinder vom noch behütenden Umgang in der Kita hin zu einem immer selbstständiger werdenden Schulkind. Häufig sind damit Ängste, aber auch besondere Erwartungen verknüpft.

Wie die Schule selbst, wandelt sich aber auch die Elternarbeit im Zeiten der Migrationsgesellschaft – und es gilt, neue Kommunikationswege zu finden.

Eine gelingende Kooperation zwischen Schule und Erziehungsberechtigten unterstützt nachweislich den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist sowohl  eine Kultur der Wertschätzung und Anerkennung, die Berücksichtigung der sprachlichen und kulturellen Heterogenität und unterschiedlichen Vorerfahrungen der Familien mit Schule eine wichtige Voraussetzung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die bewusste schulprogrammatische Arbeit in Bezug auf eine interkulturelle Gesellschaft. (vgl. KMK  1996/2013).

Schule muss ALLEN Eltern Partizipation ermöglichen - nur so werden die Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

Die im Folgenden zusammengestellten Qualitätsmerkmale einer gelingenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft sind nach Empfehlung einer wissenschaftlichen Expertenkommission der Vodaphone Stiftung 2013 zusammengefasst und mit meinen Erfahrungen aus der Praxis ergänzt.                                                                      

(https://www.vodafone-stiftung.de/eltern_unterstuetzen.html?&tx_newsjson_pi1%5BshowUid%5D=83&cHash=129cb66d8ad4cfff8c9ada8ec09cb119 ) :

 

  1. Interkulturelle Willkommens- und Begegnungskultur

Eine wertschätzende Begegnungskultur zeichnet sich durch einladende und freundliche Atmosphäre in der gesamten Schule aus. Besonders erfolgreich ist dies, wenn sich nicht nur das Kollegium, sondern auch die Elternschaft und die Schülerinnen und Schüler  der Schule aktiv beteiligen.

Beispiele dafür können sein:

  • Gestaltung eines übersichtlichen Empfangsbereichs

  • Beschilderung in vorhandenen Familiensprachen

  • freundlicher Umgangston z.B. mit Begrüßungen auf Fluren, in Pausen, etc.

  • wohlwollende Berücksichtigung verschiedener Bildungsniveaus

  • Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit der Familien auch im Erstkontakt

  • Kontaktaufnahme schon vor der Ein-/Beschulung mit orientierenden Hinweisen

  • Überreichung einer Willkommensmappe mit Informationen in leichter Sprache zum Schulanfang

  • Vorstellung des schuleigenen Gewaltpräventionskonzepts und Helfersystems

 

  1. Vielfältige und respektvolle Kommunikation im interkulturellen Kontext

Merkmale einer vielfältigen schulischen Gesprächskultur sind respektvoller und wertschätzender Umgang mit allen in Schule Beteiligten. Dazu müssen schulische Strukturen entwickelt werden, die dies zuverlässig unterstützen.

Beispiele dafür können sein:

  • Transparente Verschriftlichung über Rechte und Pflichten der Eltern

  • Veröffentlichung der schulischen Jahresplanung

  • Gestaltung regelmäßiger anlassunabhängiger (und nicht ausschließlich problembezogen) Informationsgespräche über Bildung und Erziehung in einem Klima des Vertrauens - vgl. hierzu mein Seminarangebot

  • Regelmäßigkeit und zeitliches Entgegenkommen in Bezug auf die Bedürfnisse der Erziehungsberechtigten

  • Verständliche und rechtzeitige Orientierung bei Übergängen

  • Ausführliche Informationen zu Themen wie Koedukation, gemeinsamer Schwimm- und Sportunterricht, Sexualerziehung, Schulfahrten

  • Kommunikation mit Unterstützung von Leichter Sprache und/oder Dolmetschern

  • Nutzung unterschiedlicher Kommunikationswege wie z.B.

    Briefe, Sprechstunden, Info-Abende bzw. -Nachmittage mit Sprachentischen, Kinderbetreuung, Erinnerungshotlines, Hausbesuche, Patenschaften                                                                                                                                                                                                     

 

  1. Erziehungs- und Bildungskooperation - Partitipationsangebote konkret

Eine gelingende Kooperation zwischen Schule und Erziehungsberechtigten zeichnet sich aus durch die gemeinsame und diskriminierungssensible Gestaltung des Lebensortes Schule. Interkulturelle Kompetenzen des gesamten Kollegiums sind dabei ebenso hilfreich wie die bewusste Anerkennung der Familienkompetenzen.

Beispiele dafür können sein:

  • Transparent verankerte Mitbestimmung

  • Angebot von verabredeten Hospitationen

  • Ganztagsangebote

  • Abstimmung der Eltern-Netzwerke aufeinander

  • Unterstützung der Lernatmosphäre in der häuslichen Umgebung der Familien

  • Gemeinsame Aktivitäten wie Feste, Ausflüge, Projekte etc..

  • Nutzung der schulischen Infrastruktur auch der Eltern

  • Ressourcenaktivierung und aktive Einbeziehung der familiären Kompetenzen

  • Ausbildung von Elternmentoren, Bildungslotsen, Seniorpartnern, Helfersystemen

  • Erstellung ortsteilbezogener Landkarten für außerschulische Angebote wie Beratungsstellen, Bibliotheken, Museen, Theater, VHS-Kurse etc.

 

  1. Partizipation der Erziehungsberechtigten

Merkmale für die Beteiligung der Eltern am Schulleben sind ein engagierter und aktiver Zugang der Schule auf alle Schulfamilien. Dabei sind diese in Bezug auf ihre Vielfältigkeit repräsentativ im schulischen Leben vertreten.

Beispiele dafür können sein:

  • Demokratische Praxis wird verständlich vermittelt

  • Bewusste und zuverlässige Mitbestimmung der Erziehungsberechtigten

  • Repräsentative Durchmischung in den Elternvertretungen

  • Unterstützung und Erleichterung der Beteiligungsmöglichkeiten für Eltern, z.B. Übernahme der Protokolle bei Elternversammlungen durch Lehrkräfte/Schulleitung und Vorlage vor Veröffentlichung

  • Aktive Beteiligung der Eltern an Schulentwicklung

  • Einbeziehung und Abfragen in unterschiedlicher Form über Zufriedenheit und Veränderungswünsche konkreter schulischer Vorhaben

  • Ortsteilbezogene Vernetzung der Schule in Elternvereinen, Kirchen, Moscheen, Migrantenvereinen, Beiräten

 

Gelingende Elternpartizipation kostet Zeit und fordert Einsatz – wenn sich Eltern aber mehr und mehr mit dem Anliegen der jeweiligen Schule identifizieren, sich aktiv einbringen und dadurch eine wachsende Kooperation zwischen Elternhäusern und Schule erreicht wird, dann wirkt sich diese Beteiligung langfristig positiv aus:

Für Kinder/Jugendliche aus prekären Verhältnissen erweitert sich auch dadurch die Chance, bessere schulische Erfolge zu erzielen und damit an der Gesellschaft angemessen zu partizipieren.

 

Christiane Lenhard

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